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Wo Gott in Holland – noch – wohnt
Gut 150 Leute zählt die Gemeinde
der Amsterdamer Studentenekklesia“, Urbanes Publikum, nicht mehr ganz jung, aber bei weitem nicht "überaltert“. Der Name "Studentenekklesia“ täuscht: Hier hat Huub Oosterhuis Anfang der 60er Jahre als Jesuit und Studentenseelsorger begonnen, jetzt, Jahrzehnte später sind längst Nachfolgegenerationen am Werk. Der Name der Gemeinde ist geblieben. Die Kinder gehen zur Predigt in
einen Nebenraum und feiern separat – sie kommen wieder und helfen Niederländische Zustände Niederländische Kirchen-Zustände.
"Freie“ Gemeinden, die sich
kaum einen Deut um Direktiven
der Zentrale scheren. So lauteten
die Alpträume der römischen
Zentrale. Für den Besucher aus
dem Süden war Holland lang ein
"Vorreiter“ kirchlicher Entwicklung:
20 Jahre Vorsprung vor der
Säkularisierung hierzulande; 20
Jahre, bevor Rom Österreichs
Kirche durch konservative Bischöfe Zehn Jahre vor dem Kirchenvolks-Begehren in Österreich ist
hier die 8.-Mai-Bewegung entstanden:
Der Protest gegen den Ausschluss
kritischer Katholiken vom
Papstbesuch am 8. Mai 1985 wuchs
sich zur landesweiten Reforminitiative
aus. Irgendwann in den 90er
Jahren ist die Großhallen füllende Huub Oosterhuis, der Erneuerer
der religiösen Sprache nicht nur in
den Niederlanden ist immer noch Im Mai beging Oosterhuis sein
50-jähriges Dichterjubiläum:
1958 hat er sein erstes
Lied (Interview Weitgehend säkularisiert Dennoch: In den Niederlanden
ist die Säkularisierung weit fortgeschritten:
Gab es 1950 in Amsterdam Eine Fahrt in den katholischen
Süden des Landes an die Universität
Tilburg zu Henk Witte. Der Die Polarisierung
sei neuen Gegebenheiten
gewichen.
Zusätzlich leidet die
katholische Kirche
unter einer riesigen
Finanzkrise, sodass
traditionelle Strukturen
(etwa Dekanate)
unfinanzierbar werden; auch
Pfarren müssen (Stichwort: Priestermangel)
in großem Stil zusammengelegt
werden. Witte nennt
für die katholische Kirche ähnliche
Zahlen wie für die Christen
Amsterdams: Mitte der 60er Jahre
waren 66 Prozent der Katholiken
aktiv, 2006 nur mehr 7,5 Prozent.
Solche Zahlen, so Witte, erfordern
eine radikale Organisationsreform.
Dabei treten interessante Facetten
für die Seelsorge zu Tage: Während
die Taufen oder Hochzeiten massiv
zurückgegangen sind, bleiben die Insgesamt konstatiert Henk Witte einen grundlegenden Wandel unter den Katholiken: Seine Generation sei noch "katholisch“ aufgewachsen, und im Gefolge des Konzils habe die Frage dominiert: "Können wir noch freier katholisch sein?“ Man habe versucht, ein möglichst individuelles Christsein zu entwickeln. Die junge Generation von heute kenne das alles einfach nicht mehr; über Kirche und Glaube wisse man "bestenfalls etwas von Opa und Oma“. Theologe Witte: "Für diese Generation
ist der Ausgangspunkt
nicht die Kirche, sondern die Welt.“
Die jungen Leute würden aus dieser
Perspektive heraus nach Gott fragen.
Oder: Wie schaut ein hristlicher Schonungslose Analyse Ende des letzten Jahres machte ein Dokument niederländischer Dominikaner Furore, das schonungslos eine triste pastorale Situation in den Pfarren analysiert. Das Dominikaner- Papier plädiert deshalb für die Aufhebung des Pflichtzölibats und für die Weihe bewährter Gemeindeleiter – auch Frauen! – zu Priestern. Selbstredend dass dieses Dokument in Rom erneut die Ablehnungsmaschinerie in Gang setzte. Für Henk Witte ist dies alles aber nicht wirklich brisant: Hier habe sich wieder die alte Konzilsgeneration zu Wort gemeldet. Deren Anliegen sieht der Tilburger Universitätstheologe wohl. Dennoch sei das alles aber "längst Vergangenheit“. Auch Kees Kok, der Theologe in der Amsterdamer Studentenekklesia, der das Dominikaner- Dokument begrüßt, konzediert, dass dies alles aus dem Dunstkreis der 8.-Mai-Bewegung stammt. Und die gibt es ja als "Bewegung“ eben nicht mehr. Für Henk Witte sind andere
Herausforderungen dringlich: Die
geringere Bindung mache Religion
und Ritualität zu einem offenen
Markt, auf dem sich die Kirche bewähren
müsse. Und was Witte bei
der Hierarchie Sorge macht, sind
nicht die kirchlichen "Kampfthemen“
der 70er Jahre, sondern eine Den nicht kirchlich gebundenen Theologen Kees Kok in der Amsterdamer Studentenekklesia, interessiert die katholische Hierarchie längst nicht mehr. Er versucht vielmehr, mit Huub Oosterhuis als geistlichem und poetischem Inspirator, die Bibel und vor allem deren politische Dimension zur Sprache zu bringen: Folgerichtig, dass im Gottesdienst der Studentenekklesia die Gemeinde eine Vaterunser-Paraphrase von Oosterhuis singt: Dort im Himmel, unser Vater, / einem Bron: Die Furche. |
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